Erst Heldin, dann Hexe und am Ende eine Heilige

Zum 590. Geburtstag von Jeanne d'Arc

Jeanne d'Arc, Johanna oder die Jungfrau von Orléans, (1412 – 1431) gehört zu den bedeutendsten Personen des ausgehenden Mittelalters. Als religiös motivierte Heerführerin kämpfte sie im Krieg zwischen England und Frankreich, verhalf Karl VII zu seinen Thron, erhielt im Gegenzug aber keinerlei Unterstützung von ihm, als sie 1431 zum Tode verurteilt und auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurde.

Bereits im Alter von 13 Jahren hatte Jeanne d’Arc eine Vision. Laut eigener Aussage wurde ihr ein göttlicher Auftrag auferlegt. Sie sei die Auserwählte, um den britisch-französischen Krieg zu beenden und dem französischen Herrscher Karl VII. sein Land zurückzugeben.

Vier Jahre später unterrichtete Jeanne d’Arc einen Untergebenen des französischen Herrschers von ihren Visionen. Dieser machte die aus einfachen Verhältnissen stammende Jeanne d’Arc schließlich mit Karl VII. bekannt, wobei dieser nach anfänglichen Zweifeln tatsächlich an die Visionen glaubte.

Mit Jeanne d’Arc an der Spitze, schaffte es die französische Truppe in nur 4 Tagen die belagerte Stadt Orléans zu besiegen und die Stadt zurückzuerobern. Nach weiteren militärischen Erfolgen gegen England unter Jeannes Führung wurde sie schließlich zur Symbolfigur des französischen Triumphes.

Doch der Triumph hielt nicht lang, nur ein Jahr später wurde Jeanne bei einem weiteren Gefecht durch englische Truppen verschleppt und in England vor Gericht gestellt.

Der leitende Bischof bei Jeannes Prozess war zwar Franzose, aber dennoch langjähriger Berater und Verbündeter des englischen Adels. Schlussendlich wurde Jeanne die Verweigerung der kirchlichen Gefolgschaft zum Verhängnis. Sie betonte dabei ausdrücklich, dass sie nur Gott Folge leiste und nicht etwa Institutionen wie der Kirche. Nach Monaten wurde sie am 30. Mai 1431 zum Tode durch Verbrennen in Rouen verurteilt.

Die Kirche, die Jeanne zuerst der Gotteslästerung und der Ketzerei bezichtigte, erklärte Jahre später den Schuldspruch gegenüber Jeanne d’Arc für ungültig und die „Jungfrau von Orléans“ war daraufhin rehabilitiert.

Geburtstagsfest des Monats
Jeden Monat feiert die Buchhandlung Rote Zora einen runden Geburtstag, von Schriftstellerinnen und Schriftsteller, die den Buchhändlerinnen am Herzen liegen. Manche von ihnen sind längst verstorben. Was sie aber unsterblich macht, das ist ihr Werk, das sie hinterlassen haben. Und so stehen im Mittelpunkt der Geburtstagsfeste nicht die obligatorische Geburtstagstorte und die feiernden Gäste, sondern die Bücher der Geburtstagskinder. In der Buchhandlung wie auch im Schaufenster, wie auch auf den Social-Media-Kanälen sprechen die Buchhändlerinnen die Einladung aus, das Tor zur Weltliteratur zu durchschreiten, lesend neues kennenzulernen und altbekanntes wiederzuentdecken.

Foto: Jeanne d'Arc, Gemälde von Dominique Ingres, 1854

Gerd Krumeich

Jeanne d’Arc

Seherin, Kriegerin, Heilige

Ein junges Mädchen von bäuerlicher Herkunft hat Visionen und steht plötzlich an der Spitze eines Heeres, besiegt Engländer und Burgunder und geleitet den Dauphin zur Königssalbung in Reims. Doch wenig später wird sie gefangengenommen und nach einem Schauprozess mit nur 19 Jahren verbrannt. Gerd Krumeich vollendet seine jahrzehntelangen Forschungen zur Jungfrau von Orléans mit diesem Buch und legt eine meisterhafte Biographie vor, die für lange Zeit Bestand haben wird. Viel ist über die Jungfrau von Orléans geschrieben und gedichtet worden - und doch bietet Gerd Krumeich einen überraschend neuen Blick auf die französische Nationalheldin. Auf der Grundlage eines breiten Quellenstudiums zeigt er an ihr paradigmatisch, wie sich ein noch vormodernes «Ich» gegen mächtige Institutionen wie die Kirche behauptet und auf einer individuellen Beziehung zu Gott beharrt. In dieser Religiosität der freien Entscheidung liegt ein Schlüssel zum Verständnis der Jungfrau, ein anderer in ihrer «proto-nationalen» Überzeugung, dass die Engländer in Frankreich nichts verloren haben. Eindrucksvoll zeichnet das Buch die Stationen eines Lebens nach, das so außergewöhnlich war, dass immer wieder der Verdacht aufkam, Jeanne d'Arc sei in Wirklichkeit ein Mann gewesen - eine These, die von Krumeich überzeugend widerlegt wird..

Gerd Krumeich ist Professor em. für Neuere Geschichte an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Er hat bereits seine Habilitationsschrift über Jeanne d'Arc verfasst.

Leseprobe

C.H Beck Verlag, ISBN 9783406765421, 28 €

Gerd Krumeich

Jeanne d’Arc - Die Geschichte der Jungfrau von Orleons

Frankreich im späten Mittelalter: Ein 19 jähriges Mädchen aus dem einfachen Volk hat Visionen und erhält von seinen "Stimmen" den Auftrag, dem König zur Krönung zu verhelfen und Frankreich von der englischen Herrschaft zu befreien. Sie findet bei den Mächtigen Gehör und befreit am 8. Mai 1429 mit einem Heer die Stadt Orleans. Wenig später wird der König in Reims gekrönt. Ihr Versuch, Paris einzunehmen, schlägt fehl. Sie wird gefangen und in einem Inquisitionsprozess zum Tode auf dem Scheiterhaufen verurteilt (30.5.1431). Ihre Geschichte ist ein nationaler Mythos der Franzosen und durch die Jahrhunderte immer wieder ein Stoff der Weltliteratur geworden.

Leseprobe

C.H. Beck, ISBN 9783406535963, 8,95 €